Oh, wie schön ist Estland – Sind wir auf dem Weg ins Digitalparadies?

14. Februar 2018 Politik
Der Koalitionsvertrag ist ausarbeitet: „Mehr Dynamik für Deutschland“. Wo die Dynamik besonders gebraucht wird? Bei der Digitalisierung, denn dort konnte man bis jetzt nur von Stillstand sprechen.

Deutschland, das Land, welches sonst überall Weltspitze ist, befindet sich beim Glasfaserausbau auf Entwicklungslandniveau. Uns bleibt nur ein sehnsüchtiger Blick auf Estland. Dort ist Digitalisierung nicht Alternative, sondern Norm. Mit ihrem System sparen die Esten 800 Jahre Arbeitszeit und zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes. Jeder hat einen digitalen Personalausweis und 90 Prozent aller Dienstleistungen können online abgewickelt werden. Der Deutsche hingegen nimmt immer noch Urlaub, um bei der Kfz-Anmeldung einen Tag im Amt zu verbringen.

Im Land der Dichter und Denker und im Land der Ingenieurskunst verdanken wir unseren wirtschaftlichen Aufstieg in der globalisierten Welt unserer Bildung und unserem Know-how.

Was steht im Koalitionsvertrag?

Dürfen wir jetzt Hoffnung haben, dass die neue Regierung endlich eine schon längst überfällige Vision für unsere digitale Zukunft hat? Oder verlieren sie sich wieder im klein-klein? Erste Anzeichen gehen eher in diese Richtung: So soll zum Beispiel in allen Einrichtungen des Bundes sowie in Zügen und Bahnhöfen schon bald kostenfreies W-LAN geben.
Andere Aussagen dagegen klingen fast pathetisch: „eine flächendeckende digitale Infrastruktur von Weltklasse“. Der Ehrgeiz ist scheinbar da, doch wohin soll er führen? Es gibt viele Einzelforderungen, die alle in die richtige Richtung gehen, doch der gemeinsame Plan, wie wir uns die großen Chancen der Digitalisierung zu Nutzen machen können, fehlt.
Statt einem Staatsminister für Digitales, möchte die GroKo lieber ein Heimatministerium einberufen. Und die Zuständigkeiten für die Digitalisierung bleiben dann wohl bei dem Ministerium für Verkehr und Digitales und, beim Ministerium für Wirtschaft und Energie sowie beim Innenministerium – und wer ist wirklich verantwortlich?
Ein Staatsminister wäre die bessere Lösung, um das Anliegen in diesem Bereich voranzutreiben. Es geht nämlich nicht nur um den Breitbandausbau, sondern auch um die Einrichtung einer digitalen Verwaltung – eine der notwendigen Reformen: zeitsparend, umweltfreundlich, effizient.
Und es geht um einen Kulturwandel – auch in den Ministerien. So sollte zum Beispiel ein Digitalisierungsbeauftragter auch dort beginnen interne Prozesse zu optimieren.
Streiten sich die Ministerien jedoch weiter, bekommen wir stattdessen noch einmal vier Jahre Stillstand. Was wir dringend benötigen ist eine koordinierende Stelle, die ressortübergreifend den digitalen Wandel vorantreiben kann.

Im Land der Dichter und Denker und im Land der Ingenieurskunst verdanken wir unseren wirtschaftlichen Aufstieg in der globalisierten Welt unserer Bildung und unserem Know-how. Von 3500 Weltmarktführern kommen 2000 aus Deutschland. Unser Mittelstand ist unser Motor. Wir müssen es ihm ermöglichen weiterhin an der Weltwirtschaft teilzuhaben und das funktioniert nur, wenn wir dem Fortschritt die Tür offenhalten.

Zutaten für eine erfolgreiche Zukunft…

Dazu gehört dann vor allem auch eine digitale Bildung. So wie es früher Englisch war, was in nahezu jedem Beruf gebraucht wird, sind es heute Programmiersprachen die in einer neuen Welt mit neuen Karrieremöglichkeiten oftmals ein Muss sind. Darum sollte dies bereits in der Schule gefördert und Informatik zum Pflichtfach werden.

Ist die Digitalisierung künftig wie schon heute Alltag, so müssen auch die Grundlagen von Datenschutz und Sicherheitsmechanismen bekannt sein. Jeder deutsche Schüler muss diese beherrschen, damit dies so selbstverständlich wird, wie ein Schloss an der Haustür.

Aber auch in Unternehmen muss die Digitalisierung verstanden werden. Neue Produkte und Technologien müssen nicht nur entwickelt, sondern auch vermarktet werden. Und das soll ebenfalls gelernt sein. Das Online-Marketing ist schon heute von großer Bedeutung. Darum muss auch das Handwerkszeug dafür vermittelt werden.

Deutschland muss endlich aufwachen – den Blick in die Zukunft gerichtet, nicht in die Vergangenheit. Und Zukunft heißt eben auch Veränderung. Wir können also entweder das Potenzial der Digitalisierung erkennen oder unsere Vorbildfunktion abgeben. Wollen wir dazu gehören, müssen wir digitalisieren.

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